So langsam werden die Tage etwas ruhiger, die Feiertage rücken näher und man nimmt sich nun auch mal die Zeit sich mit den Aussichten auf das kommende Jahr zu beschäftigen.
Liest man die branchenüblichen Prognosen für die Top 10 Web-Trends des Jahres 2010 begegnet man gewissen Themen immer wieder. Die mit am häufigsten genannten sind “Social Media”, “Mobile Commerce” und “Cloud Computing”.
Social Media wird Pro
Über das erste Thema wurde bereits in diesem Jahr zur Genüge geschrieben und auch geschimpft und gestritten. Eine Entwicklung 2010 kann man Zweifelsfrei und ohne große Anstrengung vorhersehen: Social Media wird in einem verstärkten Maße professionalisiert, d. h. ein ganzer Geschäftszweig von Social-Media Marketingexperten wird werbetreibende Unternehmen dabei unterstützen, die gut frequentierten Social Networks für die Vermarktung ihrer Produkte mehr oder weniger intelligent zu nutzen.
Und dabei wird es nicht nur darum gehen, die entsprechenden Themen rund um die Produkte in einem relevanten Themenumfeld der Networks zu platzieren (sog. “seeding”), sondern vor allem auch, den Erfolg der Aktivitäten betriebswirtschaftlich messbar zu machen – idealerweise in Echtzeit.
Die anderen beiden Themen für 2010 lassen sich kaum getrennt voneinander betrachten. Streng genommen lassen sie sich auch nicht unabhängig vom Phänomen Social Media betrachten. Hier nimmt eine gesellschaftliche Entwicklung ihren Lauf, die in den letzten Jahren durch eine technologische Entwicklung eingeleitet wurde.
Sozial = Mobil
Der verbreitete und bezahlbare Zugang zum Internet, die immer höheren Server- und Leitungskapazitäten, sowie die zunehmende Zahl der einfach zu handhabenden Publikations-Plattformen haben dazu geführt, dass Menschen ihre sozialen Kontakte einfacher und schneller über das Internet pflegen können, als in der realen Welt. Aber immer bleibt ein ungutes Gefühl, denn man sitzt ja mehr oder weniger isoliert zu Hause oder im Büro an seinem Computer, während man eigentlich “sozialen” Aktivitäten nachkommt.
Nun kommt uns eine Entwicklung der letzten Jahre sehr entgegen, die darin besteht, dass internetfähige Endgeräte (man nannte sie mal PCs) kleiner, leichter und damit tragbar geworden sind.
“Nun, eigentlich war es umgekehrt!”, beschwert sich da das iPhone, ”Wir Mobiltelefone sind mittlerweile in der Lage eine Verbindung zum Internet herzustellen.” Wie auch immer – am Ende kommt es auf das selbe heraus: an den Geräten hängt kein Kabel mehr, das fest in irgend einer Steckdose in unserer Wand steckt und das Verhältnis von Gerätegröße und Gewicht (tragbar) zu Displaygröße (lesbar) hat sich zum allgemeinen Wohlgefallen angenähert.
Was aber den entscheidenden Dreh in Richtung massenhafte Verbreitung der mobilen, internetfähigen Endgeräte ausmacht ist vor allem eines: sie werden mehr und mehr zu bezahlbaren Preisen angeboten. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass 2010 ein Großteil der Internet-Nutzer nicht mehr in ihren eigenen vier Wänden anzutreffen sein wird, sondern unterwegs. Vielleicht sogar unterwegs, um “echte” soziale Kontakte zu pflegen, während sie gemeinsam über ihre Smartphones, iPhones, oder Netbooks recherchieren, welche Beurteilung andere über das Cafe, in dem sie gerade sitzen, abgegeben haben.
Schaut man sich Angebote wie Gowalla oder Foursquare – also bereits existierende sogenannte “Location Based Social Networks” an, wird schnell klar wohin die Reise gehen kann. Mit Hilfe der Geo-Tagging Funktion des iPhones, also der Möglichkeit den eigenen Standort über GPS genau zu bestimmen und anderen mitzuteilen, entwickeln sich völlig neue – und nicht zuletzt aus Marketing-Sicht höchst spannende Anwendungsmöglichkeiten.
Die Wolke ist die neue Festplatte
Die oben genannten technologischen Entwicklungen – bezahlbare Server- und Leitungskapazitäten, sowie tragbare internetfähige Endgeräte zu moderaten Preisen – führen fast zwingend zum dritten großen Thema für 2010: dem Cloud Computing.
Ein Gerät, das leicht und klein aber trotzdem hochperformant und kostengünstig sein soll, muss auf zwei Dinge verzichten, die wir bisher für selbstverständlich hielten: Gigabytegroße Festspeicher und Speicherverschlingende Software. Die beiden bislang auf meinem eigenen Rechner beheimateten Tätigkeiten, nämlich das Verarbeiten und das Ablegen von Daten werden wir also zukünftig aus dem eigenen Gerät auslagern – auf externe Server – in die Cloud.
Ein weiterer Vorteil dieses Konzeptes ist ganz ofensichtlich, dass es letztendlich egal ist, von welchem Endgerät ich darauf zugreife. Meine Daten sind überall und jederzeit verfügbar. Für mich selbst und für diejenigen, mit denen ich bestimmte Informationen teilen will. Die nächste große Welle von Google “Google Wave” bietet hier bereits eine Vorahnung, wie wir in Zukunft mit unserer Datenverarbeitung und unserer Kommunikation umgehen werden.
Das Jahr 2010 wird also das Jahr der mobilen sozialen Wolke.
Darauf sollte sich spätestens jetzt jeder einstellen, der im weitesten Sinne mit Marketing und Kommunikation zu tun hat. Denn angesichts dieser Entwicklung und der bislang noch nicht absehbaren neuen Tools, Services und Geschäftsmodelle die daraus entstehen können, stellt sich um so mehr die Frage: “Wie schaffe ich Relevanz?”.
Oder anders formuliert: “Was kann ich in den stattfindenden Kommunikations- und Nutzungsprozessen beitragen, das wirklich einen Mehrwert hat und damit ganz natürlich zur Nutzung meiner Produkte führt?”.
Auf meinem Wunschzettel für das Christkind wird in diesem Jahr auf jeden Fall stehen: “Ein iPhone für jeden Bürger und kostenloser Zugang zum Internet für alle”.
Ich wünsche ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes und erfolgreiches neues Jahr!
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